Mode Design … ist ziemlich gefährlich!

Zusammen mit meiner besten Freundin Gabi arbeitete ich nach dem Diplom als Mode-Designerin. Wir haben Öko-Mode gemacht. Damit waren wir nicht nur mit die ersten in Deutschland (nachweislich VOR Britta Steilmann) sondern auch erfolgreich. Das lag sicherlich daran, dass unsere Kleidung zwar ökologisch produziert wurde – aber nicht so aussah. Zeitweise haben sich alle großen Versandhäuser um unsere Modelle gerissen und wir hatten gleichzeitig mehrere Seiten bei Otto, Neckermann und Quelle und noch einigen kleineren Versandhäusern.

Das hat meine beste Freundin Gabi mir zum Abschied aus der Modebranche gemalt!
Es zeigt die glamourösen und gefährlichen Situationen im Leben einer Mode-Designerin.

 
Wissen Sie, wie ekelhaft es ist, wenn man an der Nähmaschine sitzt, und aus dem schneeweißen Leinen, welches eine Hose werden soll, plötzlich eine fette, illegal aus Polen eingewanderte Spinne von absurder Größe und hässlicher Gestalt krabbelt??? Da hilft nur: Lautes Kreischen!!! Anschließender Anruf in der Produktion in Polen und bittere Beschwerde – man möge gefälligst demnächst die Musterstoffe spinnenfrei versenden! Bei der Beschreibung von Größe und Hässlichkeit der Spinne bekomme ich auch noch zu hören: „Du, das ist lächerlich! Ich habe hier eine gesehen, die musste sich bücken, als sie unter dem Tisch lang wollte.“

 

Jo, so sieht man aus, wenn man sich beim Einrichten eines neuen Ladens nach einem liegen gebliebenen Kleiderbügel bückt und mit dem Kopf volles Programm auf einen gusseisernen Rollständer schlägt. Gabi schilderte es noch Jahrzente später sehr anschaulich: „Wie im Trickfilm beulte sich da eine Riesenbeule aus Annettes Stirn.“ Natürlich eilte Gabi mir sofort zur Hilfe – mit einem Messer, welches sie auf die Beule drückte und verräterischem Zucken um die Mundwinkel „Mensch … Annettchen … wie hast das den geam-mmmmacht … tut’s sehr ww-w-ww-w-wehheheheehahaaaaaahihihihi-haahhaa ….“

 

Telefoniert haben wir ganz extrem viel! Es gab ja weder Mails noch … sonst eine Alternative („Wir hatten ja nichts …“) Eines Tages rief mich eine nette Dame aus Thüringen an. Am Schluss des Gespräches fragte ich sie nach ihrem Namen – den hatte ich anfangs nicht so genau mitbekommen: „Ihr Name war Stop oder Stöp?“ „Stöppp!“ Wie das Stöpppschild!“ (bitte hierzu den thüringischen Dialekt vorstellen  – dann ist es echt sehr komisch).

 
 
 
 
 

Nein, SO war es nicht ....Okay, ich war des Öfteren stinkig auf unseren Chef. Er baute Luftschlösser, wir mussten ackern. Mit der Schere habe ich ihn aber nie gestochen – das ist Gabis künstlerische Freiheit!!!
Die Linke war  eine unserer Verkäuferinnen – Kathrinchen hat mit ihrer Fähigkeit, Fremdwörter immer so richtig haarscharf an der Bedeutung vorbei zu interpretieren, für jede Menge Erheiterung gesorgt. Eines Tages, so im Vorbeigehen hören Gabi und ich Kathrinchen mit einer Kundin plaudern: „Ja, ich arbeite schon fast 10 Jahre hier – ich gehöre hier schon zur Inventur!“ Die lange, hübsche Rothaarige ist übrigens Gabi.

 

Okay, ist zu groß ...Ja, gut, man kann sich ja mal mit der Größe verschätzen!!! Zumal wir bei unseren Schnitte die Schrumpfwerte mitberechnen mussten – die fertig genähten Sachen wurden nämlich gefärbt – und liefen dabei immer ganz schön ein. Das musste berücksichtigt werden. Keine ganz hohe mathematische Kunst – aber gepasst hat es trotzdem oft nicht … das lag aber nicht an den mangelnden Rechenfähigkeiten der Designer sondern an der Unfähigkeit der Produktion, bei gleicher Temperatur zu färben.