Grafik

Grafik von griechisch γραφική, (grafikí), „die Be-/Schreibende [Kunst]“). Eine Beschreibung die mir gut gefällt. Es ist noch nicht (Freie) Kunst – aber auch nicht mehr die reine Schrift. Gestaltete Schrift, könnte man auch sagen, bildhaftes Schreiben, beschreibende Bilder.

Mit ein paar Freunden hatte ich eine Diskussion, was überhaupt Grafik von „Kunst“ unterscheidet … das ist nicht ganz einfach. Natürlich kann Grafik im hohen Maße Kunst sein – oder eben auch nicht. Das kommt wieder darauf an, wie man Kunst insgesamt oder jeder für sich definiert und versteht.

Aber man kann angewandte Gebrauchsgrafik von freier Kunst unterscheiden, ohne das eine auf- und das andere abzuwerten: Als Grafikerin arbeitet man zweckgebunden. Ziel der Grafik ist es, ein Produkt zu gestalten, zu bewerben, besser aussehen zu lassen. Die Bandbreite dessen kann natürlich sehr unterschiedlich sein. Wir haben bei Grafik also zwei Ebenen: Die eine ist das Produkt, um das es geht, die andere die Gestaltung, die meine Kollegen und ich im Dienste des Produktes ersinnen.

Als „Freier Künstler“ ist das Ziel das Bild, die Skulptur, das Video oder was auch immer. Sinn des „Kunstwerkes“ ist es ausschließlich, den Hörer/Betrachter/Kritiker mit dem Werk zu erbaune, belustigen, empören, provozieren … Das Werk des Freien Künstlers erfüllt keinen übergeordneten Zweck, es wird nicht dazu da sein, ein Fleckenshampoo zu verkaufen.

So, und jetzt bitte reichlich Leserbriefe, die mir beweisen, dass man auch „Kunst“ zu Werbezwecken einsetzen kann. Das geht tatsächlich. Aber natürlich geht es um die Motivation, mit welcher ein Kunstwerk geschaffen wurde. Das Urheberrecht erlischt 70 Jahre nach dem Tode des Schaffenden – was man dann mit den Werken macht, ist tatsächlich wohl nur selten das, was der Künstler sich mal vorgestellt hat! Wenn man aus Papas Stereoanlage einen duften Hamsterkäfig baut ist das zwar möglich – aber nicht ein Beweis für die Ununterscheidbarkeit von Musikanlagen und Tierbehausungen.

Zu Zeiten Verdis gab es keine Tiefkühlpizza, deswegen dürfen wir mit einiger Sicherheit annehmen, dass es Verdi bei der Oper „Rigoletto“ gelungen ist, ein Kunstwerk zu schaffen, welches dazu da ist, den Hörer/Betrachter zu erfreuen … siehe oben. Ich halte es für sehr unwahrscheinlich, dass er damit tatsächlich eigentlich nur einen für Werbung verwendbaren Schlager schreiben wollte. Okay, mit letzter Sicherheit kann man es nicht ausschließen. Fragen könne wir ihn ja nun nicht mehr …

Es geht ja auch nicht darum, jeden Pinselstrich zu klassifizieren und nach Art der Evolutionbiologen einzusortieren (am Wochenende gelernt: “ Wie, du Dödel hast drei Prozent Abweichung auf diesen genetischen Code, der für Artbestimmung zuständig ist??? Hahaha – selber in Schuld. Zur Strafe bist du eine Neue Art!“)

Aber letztendlich helfen einem solche Einsortierungen ein wenig, sich im Dschungel der Möglichkeiten zurecht zu finden. Und sind ein netter Smalltalk, wenn das Thema „In Deutschland haben wir eigentlich keinen richtigen Sommer mehr“ erschöpft ist.